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Ein Beitrag aus der CMC.Community

 Happy Birthday: Apple

 

In der Reihe “Happy Birthday” gratulieren wir Geburtstagskindern, die ihre Spuren in der Geschichte von Hard- und Software hinterlassen haben. Heute geht es um eine der, ach, zu wenig: vermutlich die schillerndste Hard- und Softwareschmiede der Welt, die begeistert, polarisiert und letztlich unverwüstbar erscheint. Daher einleitend bereits eine Entschuldigung: Wir können in den folgenden Zeilen und Seiten keine 50 Jahre Revue passieren lassen - zu feiern und zu erinnern gibt es einfach zu viel, daher nur eine Auswahl…

Eine Marke für sich

Wussten Sie, dass die Familie der Rosengewächse (Rosaceae) neben den namensgebenden Rosen auch zahlreiche Obstsorten umfasst? Keine Sorge, wir steigen nicht allzu tief in die Botanik ein, doch wissenswert ist es schon, dass beispielsweise Steinobstsorten wie Kirschen, Pflaumen, aber auch Mandeln ebenso Teil der Familie sind wie jene Frucht, die zum heutigen Geburtstag eine besondere Rolle spielt. 


Dabei war sie schon vor dem heutigen Geburtstag, dem 01. April 1976, in aller Munde und legendär: So wird kolportiert, dass die Frucht vom verbotenen Baum im biblischen Paradies ein solcher gewesen sei (was zumindest die Lutherbibel nicht so übersetzt, vgl. Gen 3, 6); Isaac Newton verdankt angeblich einem solchen den Geistesblitz, der zur Entdeckung oder Formulierung der Schwerkraft geführt haben soll; um ihn wurde in der antiken Mythologie gezankt, im Mittelalter wurde er im Namen einer Herrschaftsinsignie geführt, das Märchen von Schneewittchen lässt ihn das todbringende Gift tragen.

Die Rede ist freilich vom Apfel, auf Englisch: Apple….


American Dream und verklärter Mythos

Vielleicht waren die vorgenannten Anknüpfungspunkte an die Geschichte von Äpfeln einfach zu verlockend. Wahrscheinlicher aber sind die eher einfachen Erklärungsansätze. So beschreibt Dan Kottke, seinerseits erster Angestellter von Apple (natürlich angestellt von den “beiden Steves” Steve Jobs und Steve Wozniak), dass er und Steve Jobs in einer Kommune auf einem Bauernhof lebten (wir sind in den 1970ern!) und dort als Frutarier eine Diät machten, die ausschließlich aus Äpfeln bestand!

Wurde Steve Jobs hier “verapplet”? Foto von der Farm, auf der Jobs vor der Gründung von Apple zeitweise lebte (Quelle: Screenshot aus Dokumentation Die Apple-Story, abgerufen am 26.03.2026)

Eine weitere, äußerst plausible Erklärung: Mit dem Namen Apple würde die Firma im Telefonbuch, einer damals durchaus validen Quelle zur Suche nach Anbietern von Büromaschinen und sonstigen Produkten, vor dem großen Konkurrenten Atari stehen, der seinerseits bereits Anfang der 1970er mit Pong für Furore sorgte (und 1974 den am Beginn seiner Karriere stehenden Steve Jobs als Ingenieur angeheuert hatte!).


Wie dem auch sei: Die beiden Steves waren zwei begeisterte Hobbyisten, einer davon (Wozniak) mit großem technischen Talent, der andere (Jobs) mit Charisma und Visionen, allerdings auch keinem ganz einfachen Charakter. Als sie sich in den frühen 1970ern kennenlernten, war der fünf Jahre ältere Wozniak (*11.08.1950) bereits in seiner Karriere vorangeschritten und verdingte sich bei Hewlett-Packard, einer Firma, die bezeichnenderweise 1939 von David Packard und Bill Hewlett ebenfalls in einer Garage gegründet wurde. So sollte es auch mit den beiden Steves beginnen, die gemeinsam mit einem Geschäftspartner namens Ronald Wayne am 01.04.1976 das Apple Computer Company Partnership Agreement unterzeichneten und damit Apple Computer, Inc. gründeten (Ronald Wayne zog sich nach wenigen Wochen aus der Firma heraus, so dass Apple sicher zurecht als Werk der beiden Steves gesehen werden kann).

Als hätten sie die Glückwunschkarte selbst unterschrieben: Gründungsdokument der Apple Computer, Inc. vom 01. April 1976 (Quelle: Wayback Machine, abgerufen am 26.03.2026)

Das erste Produkt, zu dessen Vermarktung Apple gegründet wurde, war der Rechner, der als “Apple I” in die Geschichtsbücher gehen sollte. Der Einplatinenrechner wurde zwar prinzipiell ohne weitere Peripherie (wie Monitor, Kassettenlaufwerk oder ähnliches) ausgeliefert, wurde aber gewiss auch aufgrund seines für damalige Verhältnisse günstigen Preises von 666,66$ (was heute inflationsbereinigt gut 3.300€ entspricht), seiner Videoschnittstelle, die den Anschluss an relativ viele Bildschirme ermöglichte, und seines recht leistungsstarken Prozessors (eine Abwandlung des MOS 6502, der später zu dem dominanten Prozessor der 8-Bit-Ära werden sollte) zu einem Erfolg. 200 Stück wurden verkauft, die ersten 50 wurden der Legende nach in der Garage von Steve Jobs’ Eltern gefertigt - kein Wunder, dass der Apple I mitunter als “Heiliger Gral” der Sammlerszene bezeichnet wird und ganz locker sechsstellige Beträge bei Auktionen erzielt. Anders ausgedrückt: als Museum in Deutschland einen Apple I zu besitzen, führt zu einem Eintrag im entsprechenden Wikipedia-Artikel.

Sollten Sie daheim ein Gerät haben, das dem oben abgebildeten ähnelt, zögern Sie nicht, zu spenden - wir freuen uns! (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:CHM_Apple_I.JPG, abgerufen am 26.03.2026)

Welterfolge…

Nach dem Apple I kam wenig verwunderlich der Apple II. Als dieser am 10. Juni 1977 in den Verkauf ging, konnte wohl niemand absehen, dass sich dieser als langwährender Dauerbrenner erweisen würde, der in verschiedenen Versionen rund sechs Millionen Einheiten verkaufte, bevor er 1993 in den wohlverdienten Ruhestand, sprich: Herstellungsort geschickt wurde. Dass der Apple II zu dem Erfolg werden konnte, der er war, hatte gewiss mehrere Gründe, die alle aufzuführen hier nicht möglich sein kann. Gleichwohl muss man sich vor Augen führen, dass 1977 das Jahr der “Trinity” war, also jener Dreifaltigkeit aus Heimcomputern, die die Geräteklasse mehr und mehr verkleinerte und heimfähig machte. 


Anders als die beiden anderen Rechner der Trinity (der Commodore PET und der Tandy TRS-80, beide auch im Museum zu sehen), verfügte Apple zum einen über einen gewinnbringenden Deal mit dem amerikanischen Schulsystem: 1978 hatte das MECC (Minnesota Educational Computing Consortium) eine Ausschreibung gemacht, die Apple gewann, was dazu führte, dass Schulen (zunächst im Bundesstaat Minnesota) über MECC kostengünstig und relativ unaufwändig Apple II-Rechner erwerben konnte, was immerhin zu mehr als 2.000 verkauften Geräten bis 1981 und mehr als 5.000 verkauften Geräten bis 1983 führte. Am Rande sei erwähnt, dass im Sog dieser Verkaufszahlen auch Bildungssoftware eine wichtige Rolle spielte - wer hierzu mehr lesen möchte, möge unseren Artikel zu “The Oregon Trail” lesen.


Zum anderen wurde 1979 eine der ersten “killer applications” überhaupt für den Apple II veröffentlicht. VisiCalc sorgte in Büro und Schule wie auch bei Heimanwender:innen für Begeisterung - und bei Touristen, die eine Kopie der Umsetzung für DOS-Rechner in den 1980ern in Pakistan erworben hatten, für Frustration.

Zwar nicht allzu viele Zeichen pro Zeile, aber dafür mit famosen Funktionen und toller Übersichtlichkeit: Tabellenkalkulation in VisiCalc (Quelle: Visicalc - VisiCalc - Wikipedia, aufgerufen am 26.03.2026)

…holprige Zeiten…

Den Erfolg des Apple II konnte der Apple III nicht wiederholen. Umgekehrt wurde der 1980 veröffentlichte Rechner aufgrund einer suboptimalen Wärmeableitung regelmäßig von Kunden an den Hersteller zurückgeschickt, da sich erhitzte Komponenten vom Motherboard lösten. Zwar verkauften sich Apple II-Rechner weiterhin gut (es gab zahlreiche Iterationen und Weiterentwicklungen des Apple II, darunter den Apple II Plus (1979), den Apple IIe (1983) und den Apple IIGS (1986)), doch der gefloppte Apple III fiel just in jene Zeit, in der IBM mit dem IBM PC reüssierte (VÖ: 12. August 1981) und Marktanteile insbesondere im Geschäftskundenbereich eroberte. Dass IBM seinerseits mit dem IBM PCjr 1984/85 ebenfalls floppte, konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass unser Geburtstagskind einen neuen Take auf Heimcomputer brauchte (zumal u.a. der Commodore 64 seit seinem Erscheinen 1982 Marktanteile bei den Heimanwendern sammeln konnte).


Es brauchte etwas Neues. Etwas, das nicht bloß Computer, sondern deren Bedienung veränderte. Und dieses Etwas wurde benannt nach…einer Apfelsorte.


…visuelle Highlights…

Am 22. Januar 1984 lief im amerikanischen Fernsehen das Sporthighlight des Jahres. Der 18. Superbowl wurde ausgespielt, und auch wenn die Los Angeles Raiders bereits zur Halbzeit mit 21 zu 3 gegen die Washington Redskins führten, so gab es für die Zuschauer:innen einen besonderen Werbespot zu sehen. Dieser nahm die graue Ästhetik des Films Brazil (1985) von Terry Gilliam vorweg, allerdings gab es eine Sportlerin in dem Werbespot, die wirksam einen die graue Masse beschallenden Bildschirm mit einem Hammer zertrümmerte. Der Spot (Regie von Ridley Scott, u.a. bekannt für Alien (1979)) endete mit einer Ansage an die Computerinteressierten und die Industrie:

Das Jahr, das nicht wie Orwells “1984” werden soll - dank eines Macintoshs: Apple-Werbung aus dem Jahre 1984 (Quelle: Screenshot aus 1984 Apple's Macintosh Commercial (HD), abgerufen am 26.03.2026)

Zwar war der Macintosh, von Apple-Mitarbeiter Jef Raskin nach dem von ihm geliebten kanadischen Apfel McIntosh benannt, nicht das erste Produkt Apples mit einer grafischen Benutzeroberfläche. Diese “Ehre” gebührt dem Apple-Computer “Lisa”, der allerdings wohl nicht zuletzt wegen seines Einführungspreises von rund 10.000$ im Jahre 1983 (entspricht über 30.000$ im Jahre 2026) keine nennenswerte Käuferschaft fand.

Der Macintosh hingegen wurde günstiger angeboten, wenngleich seine technische Ausstattung seinerzeit nicht alle restlos überzeugte. Allerdings nannte z.B. der bekannte Autor Douglas Adams (“Per Anhalter durch die Galaxis”) eine emotionale, romantische Verbundenheit mit der Idee des Rechners als Antrieb, ihn zu nutzen (“what I [...] fell in love with was not the machine itself, which was ridiculously slow and underpowered, but a romantic idea of the machine.” - dt.: “in was ich mich verliebt hatte, war nicht die Maschine selbst, die lächerlich langsam und leistungsschwach war, sondern eine romantische Idee von der Maschine.”)

Ein Hingucker in den frühen 1980ern: Grafische Benutzeroberfläche des ersten Macintosh (Quelle: A History of the GUI - Ars Technica, abgerufen am 26.03.2026) 

Die romantische oder emotionale Bindung der User:innen an Geräte von Apple schien in die Welt gekommen zu sein. Bezeichnend beinahe, dass sich im zeitlichen Umfeld der Veröffentlichung des Macintoshs die Wege von Apple und Steve Jobs trennten, was unter anderem dadurch begründet schien, dass der Macintosh den Siegeszug der IBM PCs nicht stoppen konnte.


…und der Weg zurück an die Spitze nach einer Durststrecke

Die 1980er und 1990er waren nicht durchgängig gut zu Apple. Die Konkurrenz griff verschiedene Marktsegmente an (IBM insbesondere den Bürobereich, Atari ST und der Amiga Heimanwender und auch ambitionierte Kreative), weswegen es Mitte der 1990er schien, als würde der einstige Riese von der Bildfläche verschwinden. Der Apple II, einst zuverlässigster Geldlieferant, war veraltet; der Macintosh fand nicht den Weg in die erhoffte Breite; weitere Produkte und Iterationen waren konzeptionell nicht ausgeklügelt und überforderten sogar Händler:innen, die die Produkte nicht so recht in den Verkaufsflächen sinnvoll anzuordnen verstanden. Und zu allem Überfluss musste ein neues Betriebssystem her. Hierzu kaufte das strauchelnde Apple die innovative Firma NeXT und deren System ein - mitsamt dessen Gründer namens Steve Jobs.


Da die Rückkehr Jobs’ zugleich die Wiedergeburt Apples darstellt und in ihren Auswirkungen quasi bis in die Gegenwart sichtbar ist (vielleicht lesen Sie diesen Text ja gar auf einem iPhone?), wollen wir es nun abschließend kurz halten: Jobs wird 1997 CEO von Apple, baut die Fronten des Heimcomputer-Geschäfts (zwischen Apple auf der einen und IBM sowie Microsoft auf der anderen Seite) ab und führt 1998 mit dem iMac  (im Museum öfter mal live zu erleben) einen ersten Rechner ein, der sich gestalterisch von der mitunter biederen Konkurrenz abhebt. Als 2001 dann der erste iPod auf den Markt kommt, ist der Transfer vom Heimcomputerhersteller zum Unterhaltungselektronikgiganten voll im Gange und mündet 2007 in der Veröffentlichung des ersten iPhones und der Umfirmierung von Apple Computers, Inc. zu Apple Inc. Der Rest ist dann wohl wirklich Geschichte…

Die Vision ist klarer als das Bild des Screenshots: Die Präsentation des ersten iPod, gehalten von Steve Jobs im Jahre 2001 (Quelle: Screenshot aus Apple Special Event 2001 - The first iPod introduction (part 1), abgerufen am 26.03.2026) 

Zum Geburtstag alles Gute an den Apfel

Ich muss zum Abschluss dieses historischen Rückblicks, der gleichzeitig eine Laudatio auf das Geburtstagskind sein soll, ein Geständnis machen. Ich bin gegenwärtig kein Apple-User mehr, obwohl ich vor zehn Jahren noch Macbook und iPhone mein Eigen nannte. Ein Blick in die vergangenen Jahrzehnte insbesondere des vergangenen Jahrtausends unterstreicht aber eindrücklich, dass unser heutiges Geburtstagskind drei Eigenschaften vereint, die ein langes Leben sehr wahrscheinlich machen: Apple war stets technisch ambitioniert, hat Design auf verschiedenen Ebenen nicht als Begleiterscheinung verstanden und konnte sich - wie man so klischeehaft sagt - immer wieder neu erfinden. Mit diesen drei Gaben sollte es unserem Geburtstagskind möglich sein, ein weiteres halbes Jahrhundert zu bestehen. In diesem Sinne: Wohlsein und herzlichen Glückwunsch, Apple Inc.!

Konstantin Jediss (KJ)

Wenn der selbsternannte Teilzeit-Nerd gerade nicht über Retro-Spiele liest oder schreibt, veranstaltet er videolympische Turniere, leitet DSA-Runden oder wundert sich, dass sein Praktikum bei GameOne schon so lange her ist.

Fragen oder Anregungen? Immer raus damit.